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Unser Blick

Kartographie | Zehn Jahre im Leben zweier Kinder auf dem Weg ins Exil

Comment voyagent les migrants quand nous leur refusons les visas ?

Hani und Hassan stammen aus Herat in Afghanistan. Sie waren 12 und 14 Jahre alt, als ihr Vater, ein Kriegsherr, beschloss, sie nach Europa zu schicken, damit sie studieren und auf eine «etwas ruhigere» und interessantere Zukunft hoffen konnten. Da es unmöglich war, Visa für sie zu bekommen, war der Vater gezwungen, ein paralleles Reisesystem zu nutzen und vertraute seine Söhne einem Schleppernetzwerk an, dem er vertraute. Die Reise war lang und gefährlich. Sie kostete zwischen 3000 und 4000 Dollar für jeden der Jungen, während ein Flug von Teheran nach Europa nur 400 oder 500 Dollar kostet...

Die Kinder werden sechs Jahre lang in Paris bleiben. Sehr schnell wurden sie von der Kinderfürsorge übernommen, in ein Heim gegeben und in die Schule eingeschrieben, wo sie Französisch lernen und ziemlich brillante Schüler sein werden. Ihre französische Einbürgerung ist im Gange, die Akten sind eingereicht und werden von den Verantwortlichen der Kinderfürsorge genau verfolgt. Es scheint, dass sie während dieser gesamten Zeit, obwohl unter der Verantwortung des französischen Staates, weiterhin engen Kontakt zu afghanischen Erwachsenen hatten, die sie regelmäßig in Pariser Parks trafen.

Im Januar 2014, kurz vor dem Abitur, kommt es zu einem plötzlichen Bruch. Die beiden Jungen wollen alles hinschmeißen, alles aufgeben, um ihren ursprünglichen geheimen Traum zu verwirklichen: in die Vereinigten Staaten zu reisen. Ihr amerikanischer Traum lebt weiter… Da eine direkte Reise dorthin unmöglich ist, reisen sie über Hilfsnetzwerke zunächst nach Dänemark, wo ihnen Hilfe versprochen wird. Dort bleiben sie drei Jahre, in denen sie ihr Englisch verbessern und Dänisch lernen. Aber die Hoffnungen auf eine Weiterreise schwinden, die Personen, die ihnen helfen wollten, verschwinden, und die beiden Jungen entscheiden sich über Nacht, erneut ins Exil zu gehen, diesmal nach Irland, wo sie seit mehreren Monaten auf eine «Möglichkeit» warten, nach Amerika zu gelangen…

Es bleibt, dieses Geheimnis zu verstehen: Was hat diese beiden jungen Menschen dazu bewogen, in Frankreich alles aufzugeben. Denn obwohl sie sich perfekt in das französische Bildungssystem integriert hatten, obwohl sie auf dem Weg waren, die französische Staatsbürgerschaft zu erhalten, sind sie nun mit leeren Händen ins Ungewisse zurückgekehrt, nur angetrieben von der in ihnen tief verwurzelten «Idee», ihren Traum zu verwirklichen und das «perfekte Land» zu erreichen...

Carte et texte:
PHILIPPE REKACEWICZ

Cette carte et articles font partie d’un dossier cartographique sur  la migration des mineurs non accompagnés, réalisé pour Vivre Ensemble par Philippe Rekacewicz (visioncarto.net)